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News & Berichte
Ein Freund fürs Leben
Der Assistenzroboter Friend kann
mit einem Kinnjoystick gesteuert
werden; © Messe Düsseldorf
Mal eben etwas aus dem Kühlschrank holen, wenn der kleine Hunger kommt. Was für Menschen ohne Behinderung kein Problem ist, ist für Menschen mit einer hohen Querschnittlähmung nur mit fremder Hilfe möglich. Der Assistenzroboter Friend soll ihnen mehr Unabhängigkeit verschaffen.
In der Fabrikhalle ist alles ganz einfach. Roboter, die in der industriellen Produktion eingesetzt werden, durchlaufen immer wieder die gleichen Arbeitsschritte. An den Assistenzroboter Friend, der seit 1997 am Institut für Automatisierungstechnik der Universität Bremen entwickelt wird, sind die Anforderungen wesentlich höher.
Er besteht aus einem Rollstuhl mit einem daran montierten Roboterarm, der über einen Kinnjoystick oder eine Tastatur gesteuert werden kann. „Friend muss auf individuelle Herausforderungen reagieren können. Das heißt, wenn er den Kühlschrank öffnet, muss er erkennen, wo sich darin beispielsweise eine Flasche befindet“, erklärt Diplom-Mathematiker Torsten Heyer, der seit anderthalb Jahren an der Entwicklung des Roboters arbeitet.
Das kann Friend mit Hilfe von zwei Kameras, die über dem Kopf des Nutzers an einer Metallstange befestigt sind. Ein integrierter Rechner erstellt aus den Kamerabildern ein dreidimensionales Modell der Flasche und der Umgebung, in der sie sich befindet. Dann berechnet er die Position der Flasche im Verhältnis zum Greifarm. Ist der Weg klar, kann‘s losgehen: Der Arm greift die Flasche und stellt sie vor den Nutzer auf ein Tablett, das am Rolli befestigt ist.
Und auch das Trinken funktioniert mit Unterstützung des Roboters. „Allerdings nur mit Strohhalm, denn etwa 20 Zentimeter vor dem Gesicht ist Schluss - aus Sicherheitsgründen“, sagt Heyer. „Für den Notfall, wenn zum Beispiel der Rechner mitten in der Bewegung abstürzt, gibt es einen Knopf, mit dem der Benutzer den Arm jederzeit stoppen kann.“
Im Praxistest im Bremer Reha-Zentrum Friedehorst hat sich Friend schon bewährt. Es gibt aber tatsächlich noch Verbesserungsbedarf. „Ein rohes Ei würde ich unserem Roboterarm noch nicht anvertrauen“, schmunzelt Heyer.
Sonja Endres
REHACARE.de












