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Wenn Stress das Herz bricht

Wenn Stress das Herz bricht

29.09.2009
Dr. Becker Klinikgesellschaft GmbH & Co. KG

Was für viele Frauen als Synonym für Liebeskummer oder den Verlust eines geliebten Menschen gilt, ist mittlerweile ein anerkanntes medizinisches Phänomen: Die Rede ist vom Broken-Heart-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung des Herzens, die die gleichen Symptome wie bei einem akuten Herzinfarkt zeigt. Diese Funktionsstörung bildet sich allerdings häufig schon nach wenigen Tagen wieder zurück.

Urplötzlich verspürte die 60-jährige Hilde K. starke Schmerzen und ein Engegefühl in der Brust, und sie rang nach Luft. Zunächst tippten die Ärzte im Krankenhaus auf einen akuten Herzinfarkt, denn sowohl EKG als auch Ultraschalluntersuchung zeigten typische Veränderungen am Herzen. Doch die spätere Herzkatheteruntersuchung zeigte keine bedeutsamen Verengungen der Herzkranzgefäße, die Ursache für eine Durchblutungsstörung hätten sein können. An was litt also die Patientin?
„In der Kardiologie verwenden wir verschiedene Bezeichnungen für dieses Syndrom, im landläufigen Sinne bezeichnet man solche Beschwerden als Broken-Heart-Syndrom oder Stress-Kardiomyopathie. Ich spreche meist von einer Tako-Tsubo-Kardiomyopathie“, erklärt Dr. Rainer Schubmann, Chefarzt der Kardiologie an der Klinik Möhnesee. Die Rehabilitations-Klinik für Kardiologie und Psychosomatik gründete vor zwei Jahren das Zentrum für Psycho-Kardiologie. Diese noch relativ junge Fachrichtung beschäftigt sich mit der Wechselwirkung zwischen psychischen Erkrankungen und bestimmten Herzkrankheiten.
Ursache dieser „gebrochenen Herzen“ sind nach aktueller Studienlage außergewöhnliche Stressfaktoren, die mit extremen, emotional belastenden Situationen verknüpft sind. Im Fall von Hilde K. war es der plötzliche Tod ihres Mannes sowie eine kontinuierliche Überforderung in ihrem Beruf, der ihr förmlich das Herz brach. Die Patientin kam nie zur Ruhe. „Solche außergewöhnlichen Ereignisse können dazu führen, dass Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin in unverhältnismäßig großen Mengen ausgeschüttet werden“, so Dr. Schubmann. Akut kann dies zu einer Verkrampfung (Spasmus) der Herzkranzgefäße führen, die dann das Erscheinungsbild eines akuten Herzinfarktes auslöst. Bei erheblicher chronischer Stressbelastung können diese Stresshormone Ablagerungen in den Arterien begünstigen. Außerdem kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen, da Stresshormone bewirken, dass die Reizleitungen des Herzens „instabil“ werden.

Broken-Heart-Syndrom: Meist heilt das Herz von selbst

Das Syndrom ist zwar nicht harmlos, in den meisten Fällen bilden sich die Erscheinungen des „gebrochenen Herzens“ aber innerhalb von zwei bis drei Wochen wieder zurück – im Gegensatz zum Herzinfarkt, bei dem Teile des Muskelgewebes absterben.
„Die Stress-Kardiomyopathie entsteht selten, wenn wir Menschen einmal vorübergehend Stress ausgesetzt sind. Sogar wenn die Belastung ein paar Wochen lang erhöht ist, hält das Herz dies meist aus“, so Dr. Schubmann. Kritisch wird es erst, wenn sich ein chronisch erhöhter Stresspegel einstellt, wie er oftmals nach Schicksalsschlägen eintritt. Denn das erlebte Belastende muss gewöhnlich in einem längeren Prozess verarbeitet werden.
Im Zentrum für Psycho-Kardiologie am Möhnesee können deshalb Herzpatienten auch ihre persönlichen Probleme bearbeiten, indem sie intensive Informationen zu psychisch relevanten Faktoren und Schulungen in der Stressbewältigung erhalten. Außerdem lernen sie, psychische Schutzfaktoren zu aktivieren. Wenn angezeigt, sind ein jeweils individuell abgestimmtes Entspannungstraining sowie Einzel- und Gruppentherapien möglich. „Wichtig ist nämlich in solchen Fällen, dass das Symptom im Gesamtzusammenhang gesehen wird.“

Was tun, damit das Herz erst gar nicht bricht?

Aber was kann ich im Alltag tun, damit mein Herz gar nicht erst „bricht“? Dafür gibt es natürlich kein Patentrezept. In der Klinik Möhnesee beispielsweise erhalten die Patienten jeweils ein individuell gestaltetes Therapieprogramm, das körperliche, psychische und soziale Aspekte berücksichtigt. „Generell kann man sagen, dass wohltuende Hobbys, eine gut funktionierende Beziehung und eine ausgewogene Ernährung ein guter Ausgleich sind, damit Stressfaktoren das Herz nicht schädigen. Ideal ist natürlich auch, regelmäßig Ausdauersport zu treiben.“

 
 

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