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Das Down-Syndrom Dreimädelhaus

Schwerpunkt: Wohnen

Das Down-Syndrom Dreimädelhaus

01.01.2008

Drei Schwestern, eine WG. Obwohl Stefanie, Petra und Ulrike das Down-Syndrom haben, wohnen sie seit Oktober allein in einem Haus. Fast ganz allein –die Eltern wohnen nämlich gegenüber und helfen den jungen Frauen. Ein bisher einmaliges Projekt in Hessen.

 
 

Die drei Bewohnerinnen sind stolz
auf ihre WG © Aschenbrenner

Ein gedeckter Tisch und Tee, dazu die Eltern. Eigentlich nichts Besonders, aber für Petra ist es eine Leistung. Die 24-Jährige hat das Down-Syndrom und erst seit sie mit ihren beiden Schwestern im eigenen Haus wohnt ist sie so selbständig, dass sie ihre Mutter und ihren Vater von sich aus zum Teekränzchen einlädt.

Es ist in Deutschland noch die Ausnahme, dass Menschen mit Down-Syndrom allein wohnen. Lange Zeit traute man ihnen das nicht zu, weil sie durch einen genetischen Defekt geistig behindert sind. Christa Petzinger traut es ihnen aber schon zu. Die Pflegemutter der jungen Frauen hatte die Idee, die drei Schwestern mit Down-Syndrom in einer WG wohnen zu lassen. Sie und ihr Mann machten sich nämlich schon früh Gedanken darüber, wie die Zukunft von Stefanie, Petra und Ulrike aussehen kann. „Wir wollten, dass unsere Kinder möglichst selbständig werden“, erklärt Christa Petzinger, „sie sollten aber in der Nähe wohnen. Und ihr ausdrücklicher Wunsch war es, zusammen zu bleiben.“

Als auf der anderen Straßenseite ein Haus frei wurde, kauften die Eltern das Gebäude. Auf eigene Kosten, denn staatliche Unterstützung gibt es für solche Projekte nicht. Im Oktober konnten die drei Schwestern einziehen – jede in ein eigenes Zimmer. Ein großes Wohnzimmer mit Küche teilen sie sich.

 
 

Die Schwestern verbringen gern ihre Zeit
zusammen © Aschenbrenner

Das ist in Deutschland eine Ausnahme. Die meisten der zirka 50.000 Menschen mit Down-Syndrom leben entweder in Institutionen oder Wohnheimen mit Gruppen von bis zu 40 Personen. Oder so lange es geht bei den Eltern. Auch für Christa Petzinger und ihren Mann wäre es einfacher, wenn die Töchter noch zu Hause wohnen würden. Trotzdem sei es richtig, dass sie so früh damit begonnen haben, die Kinder abzulösen. „Meist wohnen Menschen mit Down-Syndrom so lange es geht bei ihrer Familie. Schwer wird es dann, wenn die nicht mehr da ist. Unsere Kinder gewöhnen sich jetzt schon daran, freier zu sein“, so die Pflegemutter.

Das ist aber nicht immer leicht. Die erste Woche musste Christa Petzinger bei den Töchtern im Haus schlafen, damit die sich langsam an die Situation gewöhnen konnten. Auch das Sorgenkind, die 35-jährige Ulrike, hat es mittlerweile geschafft, nachts allein zu bleiben. Die Eltern geben sich Mühe das Selbstbewusstsein der Schwestern zu stärken: Sie bekommen Aufgaben wie Spülen oder Saugen und sie übernehmen immer mehr Verantwortung für das Haus. Aber ganz allein geht das nicht und darum ist Christa Petzinger morgens und abends bei ihnen, macht Frühstück und Abendbrot. Außerdem kommen Mitarbeiter des Antoniusheims, einer Einrichtung für geistig und mehrfach Behinderte, sechs Stunden in der Woche vorbei, um die Frauen dabei zu unterstützen, Aufgaben selbständiger zu lösen – so wie beim betreuten Wohnen.

 
 

Stefanie, Christa Petzinger, Petra und Uli
(v. links) stoßen auf ihre WG an
© Aschenbrenner

Als die Eltern das Haus umbauten, musste auf Besonderheiten geachtet werden. Da Ulrike schon mehrmals an Knien und Hüfte operiert werden musste, kann es ein, dass sie eines Tages einen Rollstuhl brauchen wird. Menschen mit Down-Syndrom leiden häufig daran, dass die Bänder überdehnen, was zu Problemen mit den Gelenken führen kann. Das Zimmer im Erdgeschoss bekam also vorsorglich eine Rampe. Und obwohl Ulrike auch schon an Depressionen litt, mag die junge Frau es mittlerweile, in der WG zu wohnen und sie will auch nicht mehr zurück in ihr altes Zimmer bei den Eltern.

Auch wenn Uli, Petra und Stephanie allein wohnen, die Eltern halten die Zügel bei wichtigen Entscheidungen fest in der Hand. Petra und Ulrike verdienen mit ihrer Arbeit im Antoniusheim je 103 Euro im Monat, Stefanie 57 Euro, und jede hat ein eigenes Konto. Aber die Mutter verwaltet das Geld und kauft für die WG ein. „Wie das mit der Bezahlung und dem Taschengeld in Zukunft geregelt wird, ist noch unklar“, erklärt Christa Petzinger.

Kleine Erfolge zeichneten sich bereits nach kurzer Zeit in der WG ab: Petra hat einen eigenen Haustürschlüssel. „Die anderen wollen auch einen. Das braucht zwar noch sein Zeit“, so die Mutter, „aber meine Kinder sind jetzt schon stolz, wenn sie einige Dinge in der WG selbst entscheiden können.“

REHACARE.de

 
 

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