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Auch Pflegeheime kommen in die Jahre - Teil 2

Schwerpunkt: Wohnen

Auch Pflegeheime kommen in die Jahre - Teil 2

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Artikels "Auch Pflegeheime kommen in die Jahre".01.05.2004

2 Fotos: In der dritten Generation wird erstmals der Aspekt der Wohnlichkeit berücksichtigt. Gestaltete Aufenthaltsräume oder Flure mit integrierten Sitzecken sollen zum Verweilen einladen und brechen alte Strukturen auf.
Mehr Wohnlichkeit herrscht in den Heimen der dritten Generation.
Foto: Elisabeth Schneider-Grauvogel
 
 

Wohnlichkeit hält erstmals Einzug in Heime

"Im Laufe der 80er Jahre haben wir dann das ‚Wohngruppenkonzept‘ entwickelt, das erstmalig mit unserer Unterstützung als Modellprojekt des Bundes und des Landes NRW entstanden ist", berichtet Winter. Das Leitbild "Krankenhaus" wurde dabei durch das Leitbild "Wohnhaus" ersetzt, was auch bauliche Konsequenzen hatte. So haben Heime der dritten Generation wesentlich mehr Merkmale einer normalen Wohnung als die Heime, die zuvor gebaut worden sind, wie zum Beispiel individuelle Wohn- und Schlafbereiche oder aber Gemeinschaftsbereiche.
Dies alles sollte dazu beitragen, dass die alten Menschen möglichst lange selbstständig leben können. "Gegner dieses Konzepts kritisierten, dass wir die Pflegestationen in Wohngruppen aufbröseln würden und nicht mehr die Rationalität der Arbeitsabläufe in den Vordergrund stellten", so Winter weiter, "ließen aber außer Acht, dass dafür ein anderer positiver Effekt für die Mitarbeiter hinzukam – nämlich die Arbeitszufriedenheit." Denn helle, lichtdurchflutete Räumlichkeiten steigerten nicht nur das Wohlbefinden der Bewohner, sondern auch der Pflegerinnen und Pfleger.

 
 
 
So viel Normalität wie möglich
ist das Prinzip der vierten
Heim-Generation: die
Hausgemeinschaften.
Foto oben: Max von Rötel,
Foto unten: Ralf Emmerich

Normalität in allen Lebensbereichen

Als eine logische Weiterentwicklung ist Ende der 90er Jahre die vierte Generation des Pflegeheimbaus entstanden, die so genannten "Hausgemeinschaften". Hier leben pflegebedürftige und/oder verwirrte alte Menschen unter dem Leitbild der "Normalität" in Gemeinschaften von sechs bis zehn Personen zusammen. Ihr Alltag ist geprägt von so viel Normalität und Geborgenheit wie möglich. Das mit der dritten Generation der Pflegeheime begonnene Prinzip, sich immer mehr an den Bedürfnissen der alten Menschen zu orientieren, wird bei den Hausgemeinschaften konsequent fortgeführt.

Architektonisch und organisatorisch treten dabei Anstaltsstrukturen in den Hintergrund. Im Vordergrund steht keinesfalls mehr die Pflege, sondern ähnlich wie zu Hause der überschaubare Haushalt mit einer zentralen Bezugsperson. Das Leben spielt sich neben individuellen Zimmern überwiegend in einer geräumigen Wohnküche ab.

Mittlerweile gibt es weit über 40 vom KDA initiierte Hausgemeinschaftsprojekte, mit deren Ideen sich immer mehr Menschen anfreunden. Auch wenn diese bundesweit diskutiert würden, gehörten Pflegeheime nach dem Hausgemeinschaftsmodell aber längst noch nicht zum Alltag in Deutschland.

Stärkung der Prinzipien der ambulanten Versorgung

Angesicht des demographischen Wandels und der engen Budgets der Pflegekassen steht auch bei Pflegeheimen die Konsolidierung im Vordergrund. Eine Lösung, an der man sich orientieren könnte, sind Pflegewohnungen, wie es sie in der Schweiz gibt.

Laut Winter würden folglich Wohnungen entstehen, die keine typischen Pflegewohnungen mehr sind, obwohl Pflegebedürftige darin leben. Denn nach zehn oder zwölf Jahren – wenn sich das Quartier wieder verjüngt – könnte eine solche Pflegewohnung wieder aufgelöst und die Wohnung an die Wohnungswirtschaft zurückgegeben werden.

 
 

Mehr Informationen

Auszug aus Pro Alter, dem Magazin des Kuratorium Deutsche Altershilfe

  
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