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„Früh genug mit Pflege im Heim befassen“
Schwerpunkt: Wohnen
„Früh genug mit Pflege im Heim befassen“
01.08.2007
Zuhause gesund alt werden – das würde jeder gerne. Doch das Schicksal will es oft anders. Wer nicht mehr zu Hause gepflegt werden kann, kommt manchmal plötzlich in ein Pflegeheim. REHACARE.de wollte von Claus Bölicke wissen, wie man vermeiden kann, dass ein Umzug ins Heim zum Horrortrip für Pflegebedürftige und deren Angehörige wird. Er ist Krankenpfleger, Diplom-Pflegewirt (FH) und ehrenamtlich im geschäftsführenden Vorstand des Deutschen Verbandes für Pflegeberufe, LV Berlin-Brandenburg e. V., tätig.
Claus Bölicke schreibt seine
Doktorarbeit an der Berliner
Charité über Qualität von
Pflegeeinrichtungen.
© Bölicke
REHACARE.de: Herr Bölicke, die meisten Menschen haben Angst davor, in ein Heim zu kommen.
Claus Bölicke: Niemand möchte gerne abhängig sein – wenn man aber in einem Heim lebt, ist für jeden sichtbar, dass man nicht mehr alleine klar kommt. Die Pflegeskandale, die durch die Medien wandern, tun ihr Übriges dazu. Wer in ein Heim geht, weiß auch, dass damit die letzte Phase im Leben beginnt. Die meisten Leute sind nur ein bis zwei Jahre dort, bis sie versterben.
REHACARE.de: Wann kommt jemand ins Pflegeheim?
Claus Bölicke: Menschen, die nur Pflegstufe eins oder keine Pflegestufe haben, werden in den meisten Fällen zu Hause gepflegt. Oft kommen Menschen her, die zu Hause niemanden haben, der sich um sie kümmert. Andere kommen erst dann in ein Heim, wenn die pflegenden Verwandten die Versorgung zu Hause allein nicht mehr schaffen und sie selbst am Ende ihrer Kräfte sind.
REHACARE.de: Sie denken, die Leute sollten früher ins Heim?
Claus Bölicke: Nein. Nur, wenn die Pflege die Angehörigen überfordert. Diese Entscheidung fällt ihnen aber sehr schwer, denn sie fühlen sich verantwortlich für die Person. Und häufig haben sie ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihr Familienmitglied nicht mehr selbst versorgen können.
REHACARE.de: Wie reagieren die Pflegebedürftigen auf den Umzug ins Heim?
Claus Bölicke: Ich kannte eine Frau, die zwar im Rollstuhl saß und Hilfe bei der Pflege brauchte, sich aber aktiv überall beteiligte und das Heimleben mochte, weil sie nicht allein war. Für die meisten ist es aber schon ein eher trauriger Moment. Besonders schlimm ist es, wenn jemand sehr kurzfristig und unvorbereitet ins Heim muss. Dann verlässt man innerhalb weniger Wochen die Wohnung und kann nur wenige eigene Sachen mitnehmen. Für einige ist das ein Schock.
REHACARE.de: Lässt sich so ein Schock vermeiden?
Claus Bölicke: Die Angehörigen und die Pflegebedürftigen selbst sollten sich früh genug mit Pflege in Heimen befassen und überlegen, ob dort nicht der richtige Ort für Pflegebedürftige wäre. Je mehr alle darauf vorbereitet sind, desto einfacher fällt es.
REHACARE.de: Was können Pfleger tun?
Claus Bölicke: Wir passen nur auf, dass die Traurigkeit nicht zum Dauerzustand wird und versuchen, in Gesprächen das Positive am Umzug herauszustellen. Beispielsweise, wenn eine Person zu Hause allein war, dass bei uns ständig jemand für sie da sei. Vor allem sollte man ihr aber Zeit lassen, um den Abschied zu verkraften und sich einzugewöhnen.
REHACARE.de: Die Verwandten können auch helfen?
Claus Bölicke: Es ist gut für die Pflegebedürftigen, wenn bekannte Personen sie besuchen. Denn gerade bei dementiell Erkrankten fällt die Eingewöhnung sehr schwer, weil sie sich schlecht orientieren können.
REHACARE.de: Wie finden Betroffene ein gutes Pflegeheim?
Claus Bölicke: Sie sollten auf ihren persönlichen Eindruck hören und sich fragen: Wie offen gehen die Heimverantwortlichen mit Fragen um? Welche Informationen bekomme ich, auch schriftlich, über die Leistungen der Einrichtung? Sie sollten sich das Heim ansehen und ihrem Gefühl trauen. Wie riecht es dort? Stinkt es vielleicht nach Urin? Und sie sollten sich ruhig trauen, einen Bewohner zu befragen, wie er sich fühlt. Ist das Heim wohnlich und lebendig?
REHACARE.de: Und weiter?
Claus Bölicke: Dann sollte man entscheiden, was für die einzelne Person wichtig erscheint: Soll das Haus viele Freizeit-Angebote haben, weil die Person noch aktiv ist? Oder ist sie ohnehin bettlägerig und es ist wichtiger zu wissen, wie gut die medizinische Versorgung ist? Manche Angehörige wählen dann beispielsweise eher eine Einrichtung, in der nebenan eine Klinik ist.
REHACARE.de: Wer kann mir dabei helfen?
Claus Bölicke: Bei der Auswahl eines Heims kann man sich unter anderem an die Pflegekassen und örtliche Selbsthilfegruppen wenden.
REHACARE.de












