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Kein Urlaub ohne Dialyse

Schwerpunkt: Reisen

Kein Urlaub ohne Dialyse

Bild: Strand und Meer 
Auch Dialysepatienten können
ihren Urlaub am Traumstrand
verbringen; © Pixelio.de

Schnell noch zum Flughafen und Last Minute eine Reise für nächste Woche buchen – so etwas ist für Menschen, die unter chronischem Nierenversagen leiden, unmöglich. Wenn sie verreisen wollen, müssen sie ihren Urlaub lange im Voraus planen, denn sie brauchen ein Dialysezentrum, in dem sie ihr Blut reinigen lassen können.

01.06.2007



Eine gesunde Niere filtert Schadstoffe aus dem Blut und reguliert den Wasserhaushalt des Körpers. Wenn sie nicht mehr funktioniert, müssen die Menschen zur künstlichen Blutwäsche, sonst würde sich ihr Körper selbst vergiften. Nahezu 65.000 Menschen brauchen in Deutschland die Dialyse. Die meisten gehen drei mal die Woche in Zentren, wo ihr Blut bei der Hämodialyse in großen Maschinen vier bis fünf Stunden lang außerhalb des Körpers gereinigt wird.

Trotzdem muss keiner auf eine Reise verzichten. Wer als chronisch Nierenkranker Urlaub machen will, sollte nicht in ein Reisebüro, sondern zu seinem behandelnden Arzt gehen. „Vorraussetzung für einen Urlaub ist, dass der Arzt den Dialyse-Patienten für reisefähig erklärt“, sagt Dr. Werner Kleophas, niedergelassener Nephrologe und Diabetologe aus Düsseldorf. Dann erst kann der Patient beginnen, einen Dialyseplatz am Urlaubsort zu finden. „In beliebten Reisezielen in Deutschland, aber auch im europäischen Ausland sind in den letzten zehn Jahren viele Dialysezentren entstanden, die auch genug Kapazitäten haben, um Gastpatienten aufzunehmen“, berichtet Kleophas, der auch Vorstandsvorsitzender des Verbandes Deutscher Nierenzentren ist, auf dessen Homepage zahlreiche Dialysemöglichkeiten in Deutschland zu finden sind. Eine Broschüre mit den Informationen kann auch gegen 1,44 Euro Porto beim Verband bestellt werden.

 
 
Bild: Schloss Neuschwanstein
Innerhalb Deutschlands ist Reisen unproblematisch; © Pixelio.de
 
 

Auch die Patientenvereinigung Bundesverband Niere e.V., der Dachverband von 176 Selbsthilfevereinen, gibt ein Adressenverzeichnis heraus. Darin stehen nicht nur Dialysezentren in der Nähe von Schloss Neuschwanstein, sondern auch in Lyon oder Kairo. Im August 2007 wird eine aktualisierte Auflage erscheinen, die für zehn Euro beim Verband bestellt werden kann. Auch auf Dialyse- Online (www.dialyse-online.de), können Reisebegeisterte über 2000 Zentren in einer Datenbank finden.

Wer ein Dialysezentrum an seinem Urlaubsort gefunden hat, sollte dort anrufen und nachfragen, ob es zu dem gewünschten Reisetermin Plätze gibt. Er sollte sich erkundigen, wie viel die Behandlung vor Ort kostet, und ob das Zentrum direkt mit der Krankenkasse abrechnet, oder ob er den Betrag zunächst einmal selbst bezahlen muss.

Bevor das Zentrum eine feste Zusage macht, sollte es nach einem Dialysebericht fragen. „Das ist für mich als Arzt immer ein Qualitätsmerkmal. Wenn das Zentrum als erstes nach einem Dialysebericht fragt, dann kann man davon ausgehen, dass es sich gewissenhaft mit eventuellen Problemen auseinandersetzt“, sagt Kleophas. In dem Bericht, den der behandelnde Arzt erstellt, steht etwa der Infektionsstatus, aktuelle Laborwerte und Informationen darüber, wie im Heimatzentrum dialysiert wird. Erst wenn das Urlaubszentrum diese Angaben hat, kann es wirklich entscheiden, ob es den Patienten behandeln kann und ihm dann die verbindliche Zusage schicken.

 
 
Bild: Pyramide mit Sphinx
Die Sphinx mit eigenen Augen sehen - an einer Dialyse sollte es nicht scheitern; © Pixelio.de
 
 

„Bevor es dann wirklich losgeht, sollte man aber auch eine Kostenübernahmeerklärung der Krankenkasse einholen“, rät Christian Frenzel, Geschäftsführer des Bundesverbands Niere. „Manche Kassen zahlen mehr, manche weniger, das ist immer individuelle Verhandlungssache.“ Es gibt nämlich keinen Standardsatz, der bezahlt wird. Die Krankenkassen zahlen maximal das, was in Deutschland üblich ist.

Die meisten Kliniken, die Urlaubsdialyse anbieten, haben einen hohen Standard. Trotzdem raten die Experten nachzufragen, ob in dem Zentrum Patienten, die eine Hepatitis C haben, an separate Maschinen angeschlossen werden, damit andere Patienten nicht Gefahr laufen, sich mit dem Virus zu infizieren. Weiterhin sollte man sich erkundigen, welche Maschinen vor Ort sind. Und wichtig für Patienten, die nur deutsch sprechen: Gibt es deutschsprachiges Personal vor Ort?

Wer sich die aufwendige Organisation nicht zutraut, kann auf einen Reiseveranstalter zurückgreifen, der sich auf chronisch nierenkranke Urlauber spezialisiert hat. Die helfen bei der Abwicklung der Formalien. Einige solche Reiseanbieter stehen auf der Seite von Dialyse Online.

Adressen:

Verband Deutsche Nierenzentren der DDnÄ e.V.
Postfach 132304
42050 Wuppertal
Telefon 0202 / 248 450
www.ddnae.de


Bundesverband Niere e.V.
Weberstraße 2
55130 Mainz
Telefon 06131 / 85152
www.bundesverband-niere.de


REHACARE.de

 
 

 
 

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