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Rolli ahoi!
Schwerpunkt: Reisen
Rolli ahoi!
Dieser Beitrag wird Ihnen vom Magazin Paraplegiker mit freundlicher Genehmigung der MVS Medizinverlage Stuttgart präsentiert.
Das Zusammenspiel von Wind und Wellen im Rollstuhl zu erleben, ist ein Frischegefühl der besonderen Art. Rollifahrer segeln auf Erfolgskurs, da sich ihnen einige Möglichkeiten bieten, die Freiheit des Segelns in vollen Zügen mit zu erleben.
01.05.2008
Mit dem Wind in den Segeln auf große Fahrt; © SXC
Beim integrativen Segeltörn der Evangelischen Jugend Dortmund legen auch Rollifahrer nach ihren Möglichkeiten Hand an. Die jungen Segler sind mit Leib und Seele dabei, wenn sie die Fahrt auf dem Plattbodenboot „Lutgerdina“ zweimal im Jahr über das Ijselmeer führt. Gemeinsam mit nicht behinderten Jugendlichen und einer erfahrenen Segelcrew werden auf dem rollstuhlgerecht umgerüsteten Zweimaster erlebnisreiche Tage voller Spaß und Spannung verbracht. Die Teilnehmer erfahren etwas über Navigation, können einen Kurs festlegen oder auch das Logbuch führen. An Bord wird nach dem eigenen Können mitgeholfen, auch die Verpflegung wird von allen organisiert. 20 Passagiere finden auf der „Lutgerdina“ Platz, wovon sieben Plätze für Rollifahrer möglich sind.
Lernen vom Segeln und über sich selbst
Dirk Pfeiffer war schon mehrmals mit von der Partie. „Das alle zusammen etwas tun müssen, um weiterzukommen, ist einer der vielen tollen Eindrücke, die ich beim Segeln sammeln konnte.“ Der segelsüchtige Rollifahrer, dessen Muskulatur von Geburt an durch Athetotik unkontrolliert spastisch krampft, empfindet beim Segeln „ein Gefühl der Befreiung, bei dem man die Sorgen des Alltags vergisst, wenn man in die Ferne über das Meer blickt“. Der Mut, das Segeln einfach in Angriff zu nehmen, ermöglichte ihm „eine selbstbewusstere Bewältigung von Hindernissen in allen Lebensbereichen“, wie er heute sagt.
Eine stabile Metallrampe macht ihm die Auf- und Abfahrt auf das 34 Meter lange Segelboot möglich, das in vielerlei Hinsicht behindertengerecht ist. Mit Lift, befahrbarem Ober- und Unterdeck und zwei behindertengerechten Bädern mit Alarmknopf ist die Basis für ein gutes Vorankommen an Bord gesichert. Den Rest erledigt das Teamwork, auch beim Schwimmen im offenen Meer.
Dirk Loose, Koordinator der integrativen Segeltörns, ist von den Mitseglern begeistert: „Ich mache das jetzt schon seit Jahren und bin immer wieder fasziniert, was gemeinsam alles möglich ist. Die Teamarbeit hat uns unzählig viele schöne Momente bereitet.“
Vom Schiff aus ein einmaliger Blick
auf den Sonnenuntergang
© fotodreamer/Pixelio.de
Erstes behinderten- und rollstuhlgerechtes Großsegelschiff
Am 5. Mai wurde das erste behinderten- und rollstuhlfahrergerechte Großsegelschiff Deutschlands im Stadthafen von Ueckermünde getauft. Taufpatin Eva Luise Köhler, die Frau des Bundespräsidenten, gab dem Segelboot in Anwesenheit von politischer Prominenz mit einem schwungvollen Flaschenwurf im zweiten Anlauf seinen Namen: „Wappen von Ueckermünde“. Das aus Mitteln der europäischen Gemeinschaftsinitiative Leader+ und zahlreichen Spenden von Privatpersonen sowie regionalen und überregionalen Firmen finanzierte Projekt gestattet Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam in See zu stechen.
Möglich wird dies durch den barrierefreien Ausbau von Anfang an, zu dem ein passender Schiffskörper gesucht und in Stettin gefunden wurde. Spezielle Krane und Lifte für Rollstuhlfahrer wurden eingebaut und erlauben bis zu fünf Rollifahrern das eigenständige Auf- oder Absteigen vom Zwölf-Personen-Segler. Bordeigene Rollstühle mit angepassten Sicherheitssystemen ermöglichen zudem eine koordinierbare Handhabe an Deck. Ob Segel setzen, das Schiff steuern oder Essen in der Kombüse kochen – jeder kann sich nach seinen Fähigkeiten an den Schiffsdiensten beteiligen. Ausgebildete Schiffsführer sind auf dem rund 22 Meter langen Kielkreutzer natürlich auch mit an Bord. Träger des einmaligen Projektes ist der Verein der „Rollisegler“, der es nach über zwölf Jahren hartem Ringen geschafft hat, behinderten Menschen ein weiteres Stück Lebensqualität zu ermöglichen.
Auch die leidenschaftliche Seglerin Annette Abrimenko könnte sich gut vorstellen, mit dem „Wappen von Ueckermünde“ zu segeln. Bekanntschaft mit Hochsee tauglichen Segelschiffen hat die 52-jährige Rollstuhlfahrerin mit MS bereits zu Hauf gemacht und dabei auch die rauhen Seiten der See zu spüren bekommen. Die Überquerung des Atlantiks über 31 Tage war nur eines ihrer sieben groß angelegten Segelabenteuer, die sie bisher mit der „Jubilee Sailing Trust“ aus Großbritannien verbracht hat. Dort wird auf vergleichsweise großen Schiffen gesegelt, was für sie selbst die Chance eröffnet hat, ihre „körperlichen und psychischen Limits kennen zu lernen“.
Das Segeln in der gewaltigen Schönheit der Natur hat ihr Leben verändert. „Es hat mein Selbstbewusstsein gestärkt und neue Horizonte eröffnet“, sagt die lebenslustige Seglerin. Wenn der Wille da ist, sei einfach alles möglich.
© Jan-Henrik Schultz
Linktipps für Rolli-Segler:
- www.rollisegler.de
- www.sail-together.de
- www.ej-do.de
- www.vss-ev.de
- www.lutgerdina.nl













