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Sicher im Straßenverkehr - Teil 2

Schwerpunkt: Reisen

Sicher im Straßenverkehr - Teil 2

 
Mit dem Kraftknotensystem sicherer
Transport von A nach B © BGW

Doch welches Prinzip verbirgt sich hinter dem Kraftknotensystem?

"Der Kraftknoten ist der mathematisch errechnete, optimalste Punkt am Rollstuhl, der bei einem Unfall die auftretenden Kräfte in den Fahrzeugboden leitet", erklärt Matthias Wilhelm. Bei der Herstellung im Werk oder auch bei der Nachrüstung werden diese stabilsten Stellen mit Adapterplatten, Ösen und Gurtzungen ausgestattet. "Dadurch ist eine einfache, schnelle und verwechslungsfreie Befestigung am Rollstuhl möglich. Durch die Konstruktion mit dem Becken- und Diagonalgurt werden der sog. Submarining-Effekt sowie der Klapp-Messer-Effekt verhindert", erläutert der Referent das System.

 
 
 
So sollten Rollstuhlfahrer vom
Fahrdienst nicht gesichert
werden © BGW

Von Submarining spricht man, wenn der Körper beim Aufprall mit dem Rollstuhl nach vorne driftet und dabei unter den Beckengurt taucht. "Durch den festen Verankerungspunkt beim Kraftknotensystem liegt der Gurt exakter auf dem Beckenknochen auf. Verletzungen im Abdomenbereich werden vermieden. Beim Klapp-Messer-Effekt schlägt der Kopf auf die Knie auf. Das Kraftknotensystem verhindert dies mithilfe des Schulter-Schräggurts", so Matthias Wilhelm.

Verschiedene Tests von Umrüstern, Herstellern, dem BASt (Bundesanstalt für Straßenwesen) und vom TÜV zeigten, dass "das Kraftknotensystem momentan das Beste ist. Es ist so gut wie an alle Rollstühle montierbar. Was die Rollstuhlsicherung betrifft sind wir im Vergleich zur normalen Personensicherung 20 bis 30 Jahre hinter der Zeit. Dafür ist das Kraftknotensystem aktuellster und bester Stand. Und dabei hat es sich noch nicht mal am Markt durchgesetzt: wenn man mal schaut, wie viel Fahrdienste damit fahren, kommt man vielleicht auf 0,5 - 1 Prozent", kommentiert Matthias Wilhelm die Lage. Zu teuer sind die Kosten der Anschaffung oder Nachrüstung: zu den 330 € für das Kraftknotensystem kommen mindestens 80 € für den Einbau. Bei Elektro-Rollis liegen die Kosten für das System bei rund 580 €.

 
 
 
Sicherheit hat ihren Preis: zwischen 400
und 580 Euro kostet das Kraftknoten-
system mit Einbau © BGW

Kein einheitliches Urteil zur Kostenübernahme

Wer diese Kosten tragen soll, darüber herrscht Ungewissheit bei den Betroffenen, Fahrdienst-organisationen, Krankenkassen, Sozialämtern und Gerichten. Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart vom 13.01.2004 müssen die Kosten für das Kraftknotensystem von der jeweiligen Krankenkasse übernommen werden (siehe 1648/03). Das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz lehnte dagegen einen Antrag auf Kostenerstattung durch die Krankenkasse am 19.08.2005 ab. Begründung: der "Behinderungsausgleich des Grundbedürfnisses auf Bewegung und körperlichen Freiraum beschränke sich nur auf den Nahbereich" (siehe L 1 KR 4204).

Dies hielt die Lebenshilfe Chemnitz nicht davon ab, alle Fahrdienstfahrzeuge, in denen Werkstattbeschäftigte im Rollstuhl befördert werden entsprechend der DIN auszustatten. "Die Krankenkassen sind bis auf die Gmünder Ersatzkasse nicht bereit die Nachrüstungskosten zu übernehmen", berichtet Dr. Peter Weber von der Lebenshilfe Chemnitz. Die meisten Krankenkassen verweigern bereits die Montage der Kraftknoten. Das Urteil des Sozialgerichts Speyer vom 12. Februar 2004 bestätigt diese Entscheidung der Krankenkassen: Demnach sind Kraftknoten kein Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung (siehe KR 525/03).

Oft reichen die Mitarbeiter der Krankenkassen die Rechnungen an die Sozialämter weiter. Auch hier besteht keine einheitliche Regelung. In Ablehnungsfällen unterstützt der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte die Betroffenen durch "Argumentationshilfen". Sicherer wäre es, "wenn der Gesetzgeber die DIN für alle als verbindlich erklären würde", resümiert Dr. Weber von der Lebenshilfe.

REHACARE.de

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- Weitere Informationen zum Kraftknoten beim BGW unter: www.bgw-online.de

 
 

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