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Radtkes Rezension zu Petra Fohrmann "Ein Leben ohne Lügen - Die Tagebücher der Dagmar B."
Schwerpunkt: Down-Syndrom
Radtkes Rezension zu Petra Fohrmann "Ein Leben ohne Lügen - Die Tagebücher der Dagmar B."
© Fohrmann Verlag
01.1.2007
Petra Fohrmann: "Ein Leben ohne Lügen - Die Tagebücher der Dagmar B.", Fohrmann Verlag, Swisstal 2005Inhaltsangabe
Dagmar B. kam mit dem Down-Syndrom auf die Welt. Sie dokumentierte ihre Lebensgeschichte in sechzehn Tagebüchern und schrieb kompromisslos ehrlich wie sie die Welt erlebte. Dagmar fand fernab von allen Regeln, die heute unser Leben bestimmen, ihren eigenen Weg, die Welt zu verstehen. Sie öffnet uns eine neue Perspektive, durch die wir vieles anders sehen und verstehen können. Wer nach dem Sinn der Lebens sucht, der kommt ihm hier ein Stück näher.
Radtke rezensiert:
Petra Fohrmann: "Ein Leben ohne Lügen - Die Tagebücher der Dagmar B."
Was ist das Besondere an Petra Fohrmanns Buch "Ein Leben ohne Lügen - Die Tagebücher der Dagmar B.", erschienen im Fohrmann-Verlag, Swisttal? Zunächst, dass es eigentlich gar nicht das Buch von Petra Fohrmann ist, oder nur zu einem sehr geringen Teil. Im Mittelpunkt stehen die Tagebücher von Dagmar B. Mir ist allerdings nicht ganz klar, warum ihr Name anonymisiert werden musste.
Die nächste Besonderheit liegt darin, dass Dagmar B. geistig behindert ist. Sie hat, oder man muss sagen, sie hatte Down Syndrom. Nun gibt es durchaus Bücher von Menschen mit geistiger Behinderung, doch so weit ich mich erinnern kann noch niemals akribische Tagebuchaufzeichnungen. Es sind also keine erdachten Geschichten, sondern wir können einen Blick in den Alltag solcher Menschen tun, und dies mit Hilfe ihrer Perspektive. Darüber hinaus gehen diese Dokumente über eine Zeitspanne von 30 Jahren, was des weiteren höchst ungewöhnlich ist. Dass es sich um authentische Texte handelt, sieht man an den Photos einzelner Dokumente.
Schließlich überrascht die Klarheit, mit der Dagmar B. das Nachlassen der eigenen Fähigkeiten mit zunehmendem Alter beschreibt. Aus meiner Sicht überflüssig und unangenehm dozierend wirken die eingeschobenen Erklärungen von Petra Fohrmann, als ob der Leser nicht selber seine Schlüsse aus dem Gelesenen ziehen könnte. Doch vielleicht erleichtert es dem Einen oder Anderen den Einstieg in die Lektüre.
Leseprobe:
1984
DAGMARS GEDANKEN ÜBER EIN LEBEN IM HEIM
Durch ihre Mitgliedschaft im Behindertenkreis kannte Dagmar behinderte Menschen, die in einem Heim lebten. Sie machte sich darüber ihre eigenen Gedanken.
7. Mai 1984:
Wieder ein sehr, sehr großer schmerzlicher Trauerfall. Frau Reiters Vater ist heute morgen nun auch gestorben im Alter von 96 Jahren. Besonders ich bin sehr, sehr traurig darüber schon Frau Reiters und Heiners wegen. Besonders bin ich mit Frau Reiter sehr, sehr befreundet
und die Freundschaft wird immer bleiben. Auch manchmal bin ich mit Heiner noch sehr befreundet. Wenn er auch im Wohnheim nun wohnt. Am liebsten hätte ich das Heiner wieder zu seiner sehr, sehr lieben Mutti zurückzieht. Sie braucht nun Heiners sehr, sehr große Hilfe. Das was ich hier niederschreibe möchte ich bitte wieder in Wirklichkeit haben. Das Wohnheim ist schön und gut am besten ist Heiner zu Hause aufgehoben bei seiner sehr, sehr lieben Mutti. Wo er auch hingehört für immer und ewig.
Dagmar dachte auch darüber nach, dass sie selbst einmal in so einem Heim leben würde.
Pfingsten 11. Juni
An dem schönen zweiten Pfingstmorgen war für die ganz kleinen von 2-16jährigen eine Puppenaufführung (Kasperle Theater"Rumpelstilzchen) was Frau Bessert veranstaltete. Die Erzählerin erinnerte mich so an Astrid Lindgren so eine sehr schöne Aufführung habe ich sehr lange nicht gesehen wie diese. Später soll ich auch einmal zu den Antrophosophen in ein ähnliches Heim … in der Sonnenhalde in Götzweiler. Aber nicht im Süd Schwarzwald. Ich will vorläufig auch noch nicht dort hin. Ich möchte bei meiner sehr, sehr lieben Mama bleiben und auch in der Nähe von Elmar. Und auch Tante Trude dürfen wir nicht ganz vergessen dabei. Ich möchte auch noch meinen sehr großen Freundes- und Bekanntenkreis auch behalten. Ich kann mir das auch nicht so vorstellen bei mir später einmal, wenn ich da hin soll. Ich möchte aber auch nicht das so wie Hartmut, wenn ich weg soll unbedingt.












