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Über Berg und Tal mit Handbike und Hund
Schwerpunkt: Tierische Helfer
Über Berg und Tal mit Handbike und Hund
01.07.2007
Der 40-jährige Alexander Epp aus Süddeutschland hält nicht viel von bequemen Hotelzimmern. Mehrmals im Jahr packt der querschnittgelähmte Abenteurer sein Handbike voll mit Reisegepäck, nimmt seinen liebsten Reisebegleiter, einen Schäferhund, und verschwindet für einige Zeit in die Berge – ohne fremde Hilfe und ohne Zelt. REHACARE.de wollte wissen, was ihn dazu treibt.
Alexander Epp genießt es, aus eigener
Kraft lange Touren zu bestreiten © Epp
Herr Epp, warum machen Sie solche Monster-Touren?
Nach einem Suizid-Versuch mit 22 bin ich im Rollstuhl gelandet. Seit 33 Jahren habe ich Diabetes. Ich will einfach sehen, wie weit ich aus eigener Kraft komme. Und ich kann in der Natur sein. Das ist vor allem nachts bei sternenklarem Himmel toll.
Wie sieht das aus, wenn Sie unterwegs sind?
Die längste Tour dauerte drei Wochen, aber im Schnitt bin ich zehn Tage unterwegs. Ich schlafe ohne Zelt im Freien, denn das kann ich überall tun. Mit Zelt dürfte ich das nicht. Ich brauche nur meinen Schlafsack und eine zusätzliche Abdeckung, ein Biwak, gegen Regen. Das liegt über dem Schlafsack und bietet noch zusätzlichen Schutz für den Kopf. Essen habe ich für drei Tage bei mir, alles haltbare Dinge. Danach muss ich neu einkaufen. Als Diabetiker muss ich natürlich sehr aufpassen, was ich mitnehme.
Sind die Touren nicht sehr anstrengend?
Ja, und sie werden es immer mehr. Ich bin auch nicht mehr so viel am Stück unterwegs wie früher und mache mindestens jeden zweiten Tag Pause.
Warum sind Sie allein auf Tour?
Ich habe schon über Magazine das Angebot gemacht, dass mich andere begleiten können. Die Leute, die sich auf die Anzeige gemeldet haben, sprangen aber immer schon nach kurzen Gesprächen wieder ab.
Zwei zusätzliche Stangen am Rückenteil des Handbikes sichern viel Gepäck. Unter dem Sitz verstaut Epp wichtige Medikamente © Epp
Woran liegt das?
Sie haben keine Vorstellung davon, dass man gewisse Dinge dringend für solche Touren braucht. Und die sind nicht ganz günstig, wie vor allem wetterfeste Kleidung und feste Schuhe. Wenn ich meine optimierte komplette Ausrüstung berechne, komme ich auf rund 5.000 Euro. Wenn man so eine Tour einfach nur mal ausprobieren möchte, muss man aber schon circa 1.000 Euro investieren, um das Ganze einigermaßen angenehm zu gestalten. Das sehen die meisten nicht ein und machen dann doch lieber Pauschalurlaub. Außerdem sind viele nicht fit genug im Umgang mit ihrem Rollstuhl. Bei langen Touren kippe ich oft einmal samt Handbike um. Und wer umkippt, muss auch wieder reinkommen können.
Welche Situationen sind am anstrengendsten?
Wasser holen ist schon mal schwierig. Ich nehme immer nur wenig davon mit, weil mein Gepäck sonst zu schwer wäre. Ich habe einen Porzellanfilter, mit dem ich Wasser aus Pfützen, Bächen und Seen filtern kann. Wenn ich aber an einen See möchte, muss ich meist eine Böschung hinab. Für solche Fälle habe ich Karabinerhaken und Seile, mit denen ich dann bis zum Wasser komme. Und Handschuhe, damit mir beim Krabbeln die Hände nicht aufreißen. Auf meinen Touren krabble ich fast so viel, wie ich fahre.
Gab es schon mal brenzlige Situationen?
Bei meiner ersten langen Tour bin ich fast draufgegangen, weil ich mich überschätzt hatte und fast völlig entkräftet war. Da hab ich erstmal nichts mehr machen können, bis ich wieder bei Kräften war. Heutzutage habe ich für Notfälle ein Handy dabei, das aber immer ausgeschaltet ist.
Das Tarnnetz schützt Epp vor neugierrigen Blicken und macht ihn beinah unstichtbar, wenn er in der Nähe eines Weges campt © Epp
Wie viel Vorbereitungszeit brauchen Sie für die Touren?
Ich habe für alles mögliche Listen in meinem Computer. Wenn ich zehn Tage lang weg will, steht dort von der Kleidung bis zu den wichtigen Medikamenten für die Diabetes alles drauf, was ich brauche. Damit könnte ich theoretisch innerhalb von drei Stunden auf dem Weg sein. Das macht die Erfahrung.
Welche Ziele haben Sie noch?
Wirklich hoch in die Berge zu gelangen. Ich habe mittlerweile alles in meiner Reichweite gesehen. Mit Handbike kann ich nicht so steil hinauf. Und wenn alles ausgereizt ist, wird’s langweilig. Vielleicht schaffe ich es einmal, zumindest einen Berg hinunterzufahren. Bis jetzt scheint das aber unmöglich, weil es zu steil ist. Und alles, was mein Leben in Gefahr bringt, lasse ich lieber sein.
Haben Sie keine Angst, Ihrem Körper zuviel zuzumuten?
Nein, denn die Touren machen mich gesünder. Eigentlich hätte ich wegen meiner Nieren, die der Doppelbelastung aus Diabetes und Rollstuhl ausgeliefert sind, schon zeitweise an die Dialyse gemusst. Ich wollte nicht. Und seit den Touren sind meine Werte besser, obwohl mein Arzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Ich denke zwar auch jedes Mal, wenn ich zurück bin, das machst du nicht noch mal, aber dann packt es mich doch wieder und ich muss raus.
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