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Neue Liebe im besten Alter: „Eine negative Reaktion unserer Kinder war unsere größte Angst“
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Neue Liebe im besten Alter: „Eine negative Reaktion unserer Kinder war unsere größte Angst“
Liebe bekommt keine grauen Haare. Der Rheinländer Jo (54) und das Nordlicht Sita (57) sind der beste Beweis dafür. Nachdem beide ihre Partner nach langer Krankheit verloren hatten, suchten sie eigentlich nur jemanden zum Reden. Über ein Internet-Forum für die Generation 50plus lernten sie sich kennen und erfuhren am eigenen Leib, dass man Liebe nicht aufhalten kann.
01.02.2011
Sita und Jo genießen ihre Zeit zu
zweit und unternehmen viel
gemeinsam; © 50plus-treff.de
Seit neun Monaten sind sie nun ein Paar. Sita ist zu Jo nach Düren gezogen. REHACARE.de sprach mit dem noch immer frisch verliebten Pärchen über blöde Fragen, störende Gefühle und blaue Augen.
REHACARE.de: Jo, nach dem Tod Ihrer Frau im März 2010 haben Sie sich im Internet auf die Suche nach einem Gesprächspartner gemacht. Sie hofften, so besser mit Ihrem Schmerz umgehen zu können. Wie wurden Sie auf Sita aufmerksam?
Jo: Ich war wirklich in keiner guten Verfassung. Als ich Anfang Mai das erste Mal in diesem Chat war, stellte ich eine ziemlich blöde Frage, nämlich: „Wer will mit mir chatten?“. Sita antwortete prompt „Na, wir alle!“. Das fand ich ganz schön frech. Deswegen habe ich sie privat angeschrieben und sie hat sogar geantwortet. Auf ihrem Profil konnte ich dann sehen, dass sie ein ähnliches Schicksal hatte wie ich. Ihr Mann war – wie meine Frau – ebenfalls an Krebs gestorben. Wir hatten uns auf Anhieb viel zu sagen und haben etwa eine Stunde lang hin und her geschrieben. Allerdings tippte Sita noch mit dem Ein-Finger-Such-System, das nervte irgendwann. Und ich dachte mir: Was wir uns schreiben, können wir uns auch sagen.
REHACARE.de: Per Telefon?
Jo: Ja, ich habe ihr meine Nummer gegeben und dann haben wir stundenlang telefoniert. Die nächsten zwei, drei Wochen haben wir jeden Abend am Telefon die Nächte durchgemacht, haben zusammen geweint und auch gelacht. Wir sind uns in dieser Zeit sehr nah gekommen. Wir waren nur gute Gesprächspartner füreinander, Freunde vielleicht schon, mehr aber nicht.
REHACARE.de: Und wann hat es dann bei Ihnen beiden so richtig gefunkt?
Sita: Als ich ihn damals bei unserem ersten persönlichen Treffen an der Straßenecke stehen sah, war es, als würde ich ihn schon ewig kennen. Als er dann seine Sonnenbrille abnahm, hatte er mich endgültig mit seinen blauen Augen verzaubert. Jo ist ein sehr feinfühliger Mann, der aufmerksam auf jede Gefühlsregung eingeht.

Sita glaubt, dass ihre Begegnung mit Jo kein Zufall war: Jos Geburtstag ist nämlich der Hochzeitstag von ihr und ihrem verstorbenem Mann. Und Sitas Geburtstag ist Jos Hochzeitstag; © 50plus-treff.de
REHACARE.de: Jo, als Sie Sita das erste Mal gesehen haben, haben Sie sich noch gegen Ihre Gefühle gewehrt. Warum?
Jo: Ich dachte mir: Das ist wirklich eine sehr nette Frau, genau wie am Telefon. Ich habe mich in ihrer Gegenwart sehr wohl und komplett verstanden gefühlt. Doch ich liebte meine verstorbene Frau sehr, immerhin waren wir 27 Jahre verheiratet. Und eigentlich wollte ich auch so schnell keine neue Partnerin.
REHACARE.de: Das klingt nach einem „Aber“?
Jo: Richtig. Ich merkte zwar, dass ich für Sita Gefühle hatte, die mich anfangs wirklich störten. Aber je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, desto weniger konnte ich gegen diese Gefühle angehen. Bei ihr fühle ich mich einfach nur wohl. Es ist faszinierend, wie sie ihr Leben meistert, mit den Kindern umgeht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal so eine tolle Frau finden würde. Sita hat dieselben goldenen Seiten wie meine Frau. Sie ist sozusagen ein Klon von ihr. Ich würde es so ausdrücken: Meine Liebe wurde in einer anderen Person fortgeführt. Nach drei Monaten Pause ist die Liebe einfach weitergegangen.
REHACARE.de: Nachdem Sie sich nur sechs Wochen kannten, kündigte Sita ihren Job und Sie planten Ihren gemeinsamen Umzug. Waren Sie sich von Anfang an wirklich so sicher?
Jo: Natürlich hatten wir beide anfangs auch Zweifel, ob das alles so richtig ist, was wir da machten und planten – nach so kurzer Zeit. Ich hatte im Geiste auch Auseinandersetzungen mit meiner verstorbenen Frau, aber ich weiß, dass sie damit einverstanden gewesen wäre. Und auch Sitas Mann wollte, dass sie sich nach seinem Tod schnell wieder eine neue Liebe sucht.

Sita und Jo streiten kaum. Sie sind
der Meinung, dass es wichtigere
Dinge gibt; © 50plus-treff.de
REHACARE.de: Man merkt Ihnen an, dass Sie eine rundum glückliche Beziehung führen. Welche Rolle spielen dabei Attraktivität und Sexualität für Sie?
Sita: Wenn man sich wie wir über das Internet kennenlernt, spielt das Äußere von vornherein keine so große Rolle. Wir sind uns ja emotional schon sehr nahe gekommen, ohne dass wir uns gesehen hatten.
Jo: Für mich hat das Aussehen keinen übergeordneten Stellenwert. Trotz allem haben wir ein sehr glückliches und ausgefülltes Sexleben. Aber ich kann nicht oft genug betonen, dass ich an Sita vor allem ihre Wärme und ihre Fürsorge schätze.
Sita: Aber ich bin eine Schönheit. (beide lachen)
Jo: Ja, das stimmt natürlich. Aber ich achte eben auch auf die inneren Werte. Sita strahlt einfach von innen. Und sie ist auch äußerlich ein Leckerchen! Ein Blick von ihr und ich schnurre wie eine Katze.
REHACARE.de: Wie hat Ihr Umfeld auf Ihr Glück reagiert?
Jo: Für die meisten war es etwas ganz Schlimmes, was wir da getan hatten. Nachbarn erzählten sogar herum, dass ich Sita schon vorher gekannt hätte. Und dass ich meine damals schwerkranke Frau mit ihr betrogen hätte. Das hat mich schon sehr getroffen.
REHACARE.de: Sie und Ihre Partnerin haben jeweils zwei erwachsene Kinder. Wie fanden sie die neue Liebe ihrer Eltern?
Jo: Eine negative Reaktion unserer Kinder war wirklich unsere größte Angst. Aber sie haben es von Anfang an akzeptiert und mit der Zeit verstanden wir uns untereinander immer besser. Inzwischen holen sich meine Söhne auch mal Rat bei Sita. Und ich habe mir immer eine Tochter gewünscht. In Sitas Tochter habe ich diese nun gefunden.
Sita zog aus Schleswig-Holstein zu
Jo nach Nordrhein-Westfalen und
fühlt sich bei ihm sehr wohl;
© 50plus-treff.de
REHACARE.de: Wie lautet das Geheimrezept für Ihre glückliche Beziehung?
Sita: Wir lassen den anderen so, wie er ist. Ob Fußball oder Shopping – wir lassen uns gegenseitig die Freiheiten, die wir brauchen. Aber wir kuscheln auch sehr gerne und brauchen beide viel Nähe.
Jo: Und wir sind füreinander da, wenn etwa Erinnerungen an unsere verstorbenen Partner hochkommen. An Weihnachten und Silvester war es besonders schlimm. Doch dann können wir jeweils in den Armen des anderen weinen und finden immer Trost und Verständnis. Wir gehen auch gemeinsam auf den Friedhof. Das ist wie Balsam für unsere Seelen.
REHACARE.de: Das klingt wirklich nach einer Bilderbuch-Beziehung.
Jo: Manchmal haben wir selbst das Gefühl, dass wir uns in einem Film befinden. Unsere einzige Sorge ist es, dass einer von uns ernsthaft krank wird. Denn eigentlich sind wir der Meinung, dass wir inzwischen genug gelitten haben. Aber eins steht fest: Wir werden für den Rest unseres Lebens zusammenbleiben. Und jetzt warten wir gemeinsam auf Enkelkinder.
Dieses Interview führte Nadine Lormis.
REHACARE.de
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