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Verein für Freundschaften: „Wir wollen soziale Kompetenz fördern und Berührungsängste abbauen“
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Verein für Freundschaften: „Wir wollen soziale Kompetenz fördern und Berührungsängste abbauen“
Gemeinsam kochen, tanzen und Fußball spielen – mit guten Freunden geht das am besten. Um Menschen mit geistiger Behinderung diesen Spaß zu ermöglichen, vermittelt ihnen der Verein „Best Buddies“ Freunde. Diese treffen sich regelmäßig mit ihnen oder schreiben E-Mails – für mindestens ein Jahr.
01.05.2011
Beatrice Loeb; © Best Buddies
Beatrice Loeb ist eines der drei Vorstandsmitglieder von „Best Buddies Deutschland“. REHACARE.de sprach mit ihr über gemeinsame Hobbies, polizeiliche Führungszeugnisse und darüber, warum es fast nicht zu diesem Interview gekommen wäre.
REHACARE.de: Bei „Best Buddies“ verpflichten sich sowohl Menschen mit geistiger Behinderung (Buddies) als auch Menschen ohne Handicap (Peer Buddies) dazu, für ein Jahr regelmäßigen Kontakt miteinander zu halten. Frau Loeb, können sich Freundschaften auf diese Art überhaupt entwickeln, oder ist nach einem Jahr alles wieder vorbei?
Beatrice Loeb: Alle Teilnehmer verpflichten sich freiwillig. Es gibt Peer Buddies, die nach dem Jahr zu anderen Buddies wechseln wollen, weil sie möglichst viele neue Menschen kennenlernen möchten. Bei anderen hat sich über das Jahr eine so gute Freundschaft entwickelt, dass der Kontakt auch danach noch gerne weitergeführt wird. Es kann aber auch sein, dass in Einzelfällen die Buddies schon vor Ablauf des gemeinsamen Jahres ausscheiden. Denn nicht jeder Buddy ist aufgrund seiner Behinderung dazu in der Lage, eine entsprechende Beziehung aufzubauen.
REHACARE.de: Wie können Interessierte denn durch Sie und den Verein Freunde finden?
Loeb: Bei Interesse braucht man auf unserer Homepage einfach nur das Formular unter dem Menüpunkt „Mitmachen“ ausfüllen und kann damit erste ausführliche Informationen anfordern. Wichtig ist dabei, dass man seine Interessen möglichst ausführlich beschreibt. Je mehr man von sich und seinen Hobbies erzählt, desto besser können wir den geeigneten Buddy finden.
REHACARE.de: Also sind gemeinsame Interessen die Grundlage für das Vermitteln von Freundschaften?
Loeb: Ja, denn es ist ja niemandem damit geholfen, wenn etwa das eine Mädchen total gerne tanzt und kocht, das andere aber überhaupt keinen Bezug dazu hat. Wir vermitteln übrigens nur Mädchen an Mädchen und Jungen an Jungen. Das vereinfacht den Umgang miteinander.

Zusammen macht alles einfach viel mehr Spaß: Beim gemeinsamen Kochen kamen alle Teilnehmer auf ihre (kulinarischen) Kosten; © Best Buddies
REHACARE.de: Es gibt drei verschiedene Programme: das Schulprogramm, das Citizen-Programm und das e-Buddies-Programm. Worin liegen die Unterschiede?
Loeb: Schüler ab der siebten Klasse werden im Schulprogramm über einen Vertrauenslehrer der Schule organisiert. Wir als Verein stehen nur beratend zur Seite. Der Vertrauenslehrer unterstützt die Schüler und ist auch bei den Gruppentreffen mit den Buddies dabei. Private Treffen alleine sind hier eher selten. Die finden dann hauptsächlich ab einem Alter von 18 Jahren im sogenannten Citizen-Programm statt. Die Organisation läuft hierbei komplett über den Verein selbst. In beiden Programmen sind uns Vereinsmitarbeitern die Buddies und Peer Buddies aber persönlich bekannt.
REHACARE.de: Und was hat es mit dem e-Buddies-Programm auf sich?
Loeb: Bei dieser Form handelt es sich sozusagen um eine moderne Form der Brieffreundschaft. Die sogenannten e-Buddies erklären sich dazu bereit, sich ein Jahr lang mindestens einmal pro Woche eine E-Mail zu schreiben. So können sie nicht nur Freundschaften über weite Entfernungen führen, es fördert außerdem auch ihre Fähigkeiten, mit einem Computer umzugehen.
REHACARE.de: Aber gerade im Internet treiben sich doch viele seltsame und zwielichtige Gestalten herum. Wie können Sie da für die Sicherheit der e-Buddies garantieren?
Loeb: Natürlich können wir nicht alle e-Buddies persönlich kennenlernen. Deswegen ist ein polizeiliches Führungszeugnis die wichtigste Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Programm. Das klingt vielleicht hart, aber es ist notwendig. Immerhin wollen wir, dass es allen Buddies gut geht und möglichst niemand unangenehme Begegnungen machen muss.

Frauen unter sich: Beatrice Loeb
(links) und ihr Buddy Antje haben
immer was zu lachen;
© Sascha Amar Fartas
REHACARE.de: Sprechen Sie eigentlich aus persönlicher Erfahrung, wenn Sie von den Freundschaften erzählen?
Loeb: Natürlich. Jeder Mitarbeiter von „Best Buddies Deutschland“ hat nämlich auch selbst einen Buddy. Wir gehen zusammen Bowlen oder zum Fußball – eben alles, was mit Freunden einfach mehr Spaß macht.
REHACARE.de: Fast wäre unser Interview gar nicht zustande gekommen. Im Jahr 2009 hat der Verein Insolvenz anmelden müssen. Was war passiert?
Loeb: Vor ungefähr drei Jahren sind wir in eine schwierige finanzielle Situation gekommen. Der Verein finanziert sich vor allem über Spenden. Bei der Vereinsgründung hatten wir eine große private Spende erhalten. Obwohl wir diese Person als langfristigen Unterstützer eingeplant hatten, stellte sich dann heraus, dass es doch nur eine einmalige Spende war. Wir mussten also Insolvenz anmelden. Denn das war unsere einzige Möglichkeit, noch rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, um größere finanzielle Verluste zu verhindern.
REHACARE.de: Seit Ende 2010 ist das Insolvenzverfahren nun abgeschlossen. Wie soll es in Zukunft weitergehen?
Loeb: In diesem Jahr fangen wir wieder bei Null an. Wir haben durch die Insolvenz einige Mitarbeiter verloren. Auch der Vorstand wurde einmal komplett getauscht. Wir versuchen, im Gegensatz zu vorher, viele kleinere Sponsoren zu gewinnen, die Sachleistungen wie etwa die Telefonkosten übernehmen. Wir haben aus den Fehlern des alten Vorstandes gelernt und besuchen zusätzlich auch regelmäßig Seminare, um uns weiter zu entwickeln.
REHACARE.de: Sie wollen den Grundgedanken von „Best Buddies“ also nicht aufgeben.
Loeb: Richtig. Bei all den Veränderungen bleibt die ursprüngliche Idee trotzdem erhalten: Alle Menschen sind gleich. Jeder hat Talente. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es auch andere Menschen in der Gesellschaft gibt. Und nur weil diese in manchen Dingen langsamer sind und vielleicht anders aussehen, ist es kein Grund, sie an den Rand unserer Gesellschaft zu stellen. Deswegen wollen wir schon bei den Kindern anfangen, das Bewusstsein zu schärfen. Wir wollen soziale Kompetenz fördern und Berührungsängste abbauen.
Dieses Interview führte Nadine Lormis.
REHACARE.de
- Mehr über den Verein „Best Buddies“ unter www.bestbuddies.de
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