Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: REHACARE-Portal. Aktuelles. Specials. Soziales Engagement.

Bufdis sind Mangelware

Bufdis sind Mangelware

01.06.2012

Sie sind die neuen Zivis: Bufdis, engagierte Menschen jeden Alters und Geschlechts, die sich im Bundesfreiwilligendienst für verschiedene soziale Projekte einsetzen können. So weit, so gut. Aber wie wird diese Möglichkeit des sozialen Engagements angenommen? REHACARE.de machte sich in einem Seniorenheim vor Ort selbst ein Bild.

 
 
Foto: Frau mit grauen langen Haaren

Für Elisabeth Römisch ist der BFD definitiv kein Erfolgsmodell;
© REHACARE.de

Monatelang war Funkstille. Nicht eine Bewerbung ging beim Seniorenzentrum Theo-Burauen-Haus (THB) vom Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kreisverband Köln ein. „Dabei hieß es im Vorfeld von Seiten der Politik, dass uns die Bufdis die Bude einrennen würden“, erinnert sich Elisabeth Römisch, Leiterin des THB Köln. „Davon haben wir aber in keinem unserer beiden AWO-Häuser etwas bemerkt.“

Elisabeth Römisch vermutet, dass es unter anderem daran lag, dass im Vorfeld so viele Feinheiten des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) unklar waren und eigentlich keiner so richtig Bescheid wusste, wie alles ablaufen sollte. „Da ist es ja kein Wunder, dass der BFD solche Anlaufschwierigkeiten hatte“, resümiert sie. Erst im Oktober 2011 trat der erste Bufdi seinen Freiwilligendienst an.

Zivi versus Bufdi

Die nur begrenzt zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel haben im Kölner Seniorenzentrum zur Folge, dass aus den aktuell vier genehmigten Bufdis im nächsten Jahr nur noch drei werden. Das macht es für die Leiterin der Einrichtung sehr schwer, langfristig mit den Bufdis zu planen. „Wir werden immer mehr gedeckelt. Wer weiß, wie viele Stellen wir dann 2014 überhaupt noch anbieten können beziehungsweise dürfen“, sagt Römisch.

Insgesamt kommen auf 179 Bewohner 220 Mitarbeiter. Da ist jede helfende Hand wichtig. Aber für die Leiterin des THB Köln sind die Bufdis kein Vergleich zu den Zivis: „ Das Verhältnis vier Bufdis zu den zehn Zivis, die wir vorher hatten, ist lächerlich“, sagt sie. „Wenn es wenigstens regulär fünf wären. Dann hätten wir für jeden Wohnbereich einen Bufdi. Aber so…“, seufzt sie und zuckt mit den Schultern.

Bei genauerem Nachfragen merkt man schnell, dass Elisabeth Römisch den Zivis schon ein wenig hinterher trauert. Sie bemängelt, dass die Bufdis, im Gegensatz zu den Zivis, nicht als Gruppe sichtbar sind. „Das ist sehr schade und macht sich auch bemerkbar“, sagt sie. Bei Veranstaltungen für die Bewohner, wie etwa an Karneval, fehle das Gemeinschaftsgefühl der Freiwilligen. „Die Zivis waren eine feste Gruppe, die Spaß ins Haus brachte“, erinnert sich Römisch. „Außerdem lohnte es sich so auch eher, Fortbildungen, etwa zum Thema Demenz, zu organisieren. Zumindest war es einfacher.“

Was sie außerdem sehr bedauert ist, dass sich die Bufdis in ihrer Einrichtung teilweise untereinander nicht einmal persönlich kennen. Das kann auch Alexander Stolzenwald bestätigen: „Mit den anderen Bufdis habe ich eigentlich gar keinen Kontakt“, sagt der 17-Jährige. „Außer mit einem, aber den kenne ich schon privat seit zwölf Jahren.“

 
 
Foto: Junge Frau hilft alter Frau mit Rollator

Die Bufdis kümmern sich beispielsweise um demente Patienten und begleiten sie bei ihren alltäglichen Abläufen; © panthermedia.net/Lisa Young

Bufdi sein ist nicht schwer …

Alexander hat kurz vor seinem Abitur, die Schule bewusst abgebrochen: „Ich habe nach alternativen Möglichkeiten gesucht, weil ich es leid war, die Schulbank zu drücken“, erinnert er sich. „Mir war all die Theorie zu viel, ich wollte in die Praxis.“ Über eine Freundin, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Einrichtung für behinderte Kinder machte, erfuhr er vom BFD. „Für mich war aber schnell klar, dass ich lieber mit Senioren arbeiten wollte.“ Seit Dezember 2011 engagiert sich Alexander nun im THB-Haus in Köln. Anfangs waren nur sechs Monate eingeplant, inzwischen hat er aber auf zwölf Monate verlängert, weil es ihm so gut gefällt.

Die Bufdis werden in den einzelnen Hausgemeinschaften eingesetzt und kümmern sich dort um die Demenzpatienten. „Die Bewohner brauchen Zuspruch, Konstanz und klare Strukturen“, erklärt Elisabeth Römisch. „Da ist soziale Kompetenz sehr wichtig.“ Die Freiwilligen gehen mit den dementen Senioren zusammen in den Garten, begleiten sie beim Essen und sorgen dafür, dass sie sitzen bleiben. Und sie helfen ihnen auch sonst bei alltäglichen Aufgaben.

 
 
Foto: Junger freundlicher Mann

Alexander Stolzenwald engagiert sich im Bundesfreiwilligendienst;
© REHACARE.de

Alexander Stolzenwald ist vor allem für Helferaufgaben in der Küche und für die Betreuung der Bewohner zuständig. Der Kontakt mit den Senioren gefällt ihm besonders gut. „Man bekommt für einen winzigen Impuls wahnsinnig viel Dankbarkeit zurück“, erzählt der 17-Jährige mit leuchtenden Augen.

… Bufdi werden scheinbar eher

Doch auch wenn Bufdis wie Alexander so begeistert über ihre Arbeit im THB sprechen, ändert das nichts an der Tatsache, dass das Seniorenzentrum in Köln insgesamt nur 15 Bewerbungen im vergangenen Jahr erhalten hat. Elisabeth Römisch erklärt die mangelnde Resonanz damit, dass die Altenpflege in unserer Gesellschaft immer noch negativ besetzt ist und einen schlechten Ruf hat. „Um die Altenpflege schätzen zu können, muss man sie selbst erleben. Nur so bekommt man den richtigen Einblick“, sagt Römisch. Für einen dauerhaften Einsatz in diesem Berufsbild müsse man die Arbeit wirklich mögen.

Die Bufdis im THB Köln werden eigentlich nur in der Betreuung der Bewohner eingesetzt. Wer aber ernsthaftes Interesse an der Pflege hat, bekommt auch während seines Bundesfreiwiligendienstes die Chance, sich in pflegerischen Tätigkeiten auszuprobieren. Eine bei Eignung anschließende Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis ist möglich und gewollt, bis jetzt kam es aber noch nicht dazu.

Wenn seine Zeit als Bufdi vorbei ist, wird Alexander Stolzenwald über 18 sein und dadurch nicht einfach an seine alte Schule zurück können, um das Abitur nachzuholen. „Das habe ich aber gerne in Kauf genommen“, sagt er selbstbewusst. Vielleicht mache er im Anschluss an seine Bufdi-Zeit noch einen freiwilligen Wehrdienst. „Außerdem habe ich meine Fachhochschulreife. Mir stehen also noch viele Wege offen.“ Ob er später in der Altenpflege arbeiten will? „Ich schließe es nicht aus, will mich aber auch noch nicht festlegen.“

Nadine Lormis
REHACARE.de

 
 

Mehr Informationen

REHACARE-Newsletter

Grafik eines Briefumschlags mit Schriftzug Jetzt abonieren!

YouTube Channel

 
© Messe Düsseldorfgedruckt von www.REHACARE.de