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Musik, Erinnerungspflege und Tiere erreichen oft mehr als tausend Worte

Musik, Erinnerungspflege und Tiere erreichen oft mehr als tausend Worte

26.11.2003
Kuratorium Deutsche Altershilfe -Wilhelmine-Lübke-Stiftung-

KDA-Fachtagung zeigte unkonventionelle Wege bei der Betreuung von Menschen mit Demenz auf

Die große Zahl demenzkranker alter Menschen (zwischen 800.000 und 1.200.000) verlangt nach neuen und unkonventionellen Wegen in der Kommunikation, Pflege und Betreuung. Der Umgang mit Musik, Erinnerungspflege und der Einsatz von Tieren bilden dabei vielversprechende Ansätze, die das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) am vergangenen Montag in Köln den über 300 Teilnehmern seiner Fachtagung "Menschen mit Demenz erreichen - Hilfen zur Kommunikation" vorstellte.

" Wir müssen alles, was hilft, aufgreifen, um den Kontakt zu den oft in ihrer eigenen Welt völlig Versunkenen herzustellen und um damit ihr Wohlbefinden zu fördern", erklärte die KDA-Pflegeexpertin Christine Sowinski. "Musik, Erinnerungspflege und Tiere erreichen dabei oft mehr als tausend Worte".

Unterstützt wurde sie von Dorothee Al-Khannak vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das die KDA-Tagung gefördert hatte. Die Ministeriumsvertreterin verwies auch darauf, dass die Methoden der Erinnerungspflege und der musik- und tiergestützten Therapie Teile eines Gesamtkonzeptes sein sollten. "Wir wollen hier nicht zum Experimentieren auffordern", erklärte sie. Schließlich gehe es um die Lebensqualität der Erkrankten. "Außerdem sind Demenzkranke auf dem Weg, zu einer zentralen Größe in der Altenhilfe- und Altenpflege zu werden, an deren Versorgung und Betreuung Pflegequalität zukünftig gemessen wird", so Dorothee Al-Khannak weiter. "Wir sollten sie als Prüfsteine für die Pflege begreifen."

Wie sehr Lebensqualität mit Musik zusammen hängt, bewies dann Prof. Dr. Hermann Rauhe, Präsident der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Er begeisterte die versammelten Fachleute mit seinen Ausführungen und vor allem durch die musikalische Untermalung dazu. "Musik steigert das Wohlbefinden und nicht selten stellen sich bestimmte Elemente der Erinnerung auch bei Menschen mit Demenz wieder ein", erklärte er. Er verwies darauf, dass selbst schwer demenziell Erkrankte manchmal noch alle Strophen eines in früheren Zeiten erlernten Liedes mitsingen könnten. "Für diese Menschen ist das ein ungeheueres Erfolgserlebnis. Für eine gewisse Zeit verlieren sie ihre Angst, in der sie sich durch die Krankheit ständig befinden."

Erfolgs- und Kompetenzerlebnisse vermitteln auch Projekte der Erinnerungspflege, die von Brigitte Reich vom BETA-Projekt aus Kirchheim vorgestellt wurden. Damit gemeint sind beispielsweise so genannte "Erinnerungskisten", die persönliche Gegenstände der demenziell Erkrankten enthalten und sie zum Erinnern und damit auch zur Kommunikation anregen.

"Erinnerungspflege unterstützt einen Perspektivenwechsel in der Pflege", erklärte Brigitte Reich dazu. "Denn es ist ein Unterschied, eine Person mit ihrem Versorgungs- und Pflegebedarf zu sehen, als Mensch, der eingeschränkt oder orientierungslos lebt - oder als eine Person, die trotz ihrer Einschränkungen und ihrem Pflegebedarf ihre Geschichte, ihre Kompetenz, ihre Würde, ihre Schmerzen und Freuden des langen Lebens bei sich hat."

Das unterstrich auch Prof. Dr. Erhard Olbrich von der Universität Erlangen-Nürnberg, der als einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Mensch-Tier-Beziehungen gilt. "Tiere sprechen die beim Alzheimer-Kranken noch erhaltenen Funktionen an", sagte er.

Dass Tiere oft ganz andere Zugänge zu den an Demenz erkrankten Menschen finden, bestätigten auch drei als Referenten geladene Praktiker der Altenhilfe. So zeigte beispielsweise Bärbel Rodenbeck vom ambulanten Pflegedienst domo sano in Minden, wie ihre Klienten davon profitieren, dass ihre Mitarbeiterinnen oft ihre Hunde zu den Pflegebedürftigen mitbringen.

Zur Tagung "Menschen mit Demenz erreichen - Hilfen zur Kommunikation" wird im Frühjahr 2004 eine ausführliche Dokumentation erscheinen.

 
 

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