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Fußball ohne Sicht und Ton
Berlin (kobinet) Das sanierte Olympiastadion ist nicht behindertengerecht, schreibt heute die Berliner Morgenpost. Der Berliner Behindertenverband klagt bekanntlich gegen das Land Berlin. Wenn Hertha BSC in der nächsten Saison im Olympiastadion Fußballfeste feiert und Musik-Größen die Arena rocken lassen, können zumindest Behinderte nur schwer mit von der Partie sein, stellt das Blatt fest. Aus Sicht der Behindertenorganisationen und auch des Landesbehindertenbeauftragten Martin Marquard weist die runderneuerte Arena gravierende Mängel für Rollstuhlfahrer, Sehbehinderte und Schwerhörige auf.
Der Berliner Behindertenverband (BBV) hat das Land Berlin deswegen verklagt, weil es seiner Ansicht nach gegen das Landesgleichstellungsgesetz verstoßen hat. Am 11. August hat das Verwaltungsgericht einen Ortstermin im Stadion angesetzt, um sich über mögliche Auswege aus dem Dilemma zu informieren (kobinet 7.7.04).
Für Rollstuhlfahrer ist die neue Situation besonders ärgerlich. Sie sollen im neuen Stadion nicht mehr wie bisher aus dem Mittelgang an der Gerade zuschauen. Ihre Plätze sind direkt hinter den Fans in den Kurven. «Die Fans stehen meistens, schwenken Fahnen und springen herum», sagt Horst Lemke, stellvertretender BBV-Vorsitzender und Sprecher des Hertha-Rolli-Fanclubs. Nach Ansicht der Rollstuhlfahrer sind von den 170 Rolli-Plätzen nur 35 nutzbar. Außerdem seien die Plätze für Begleitpersonen zu weit entfernt.
Lemkes Hoffnung, doch noch eine Fußballsaison mit freier Sicht auf den Platz zu erleben, konzentriert sich jetzt auf die Fifa. Der Weltfußballverband schreibe für WM-Stadien ausreichend Plätze für Rollstuhlfahrer vor. Daher müsse sich der Senat bewegen. Der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte, Dr. Manfred Schmidt, monierte Mängel, die Sehbehinderte und Hörgeschädigte betreffen.
«Wir hoffen auf eine gütliche Einigung vor Gericht», erfuhr die Berliner Morgenpost aus dem Büro des Landesbeauftragten für Behinderte. Dabei hätte man die Eskalation durchaus vermeiden können. Seit drei Jahren listet Marquard regelmäßig das Olympiastadion in seinem Bericht auf, der Verstöße gegen die Regelungen zur Gleichstellung behinderter Menschen enthält. Zuletzt hat der Senat im Mai 2003 einen solchen Verstößebericht beschlossen. Trotz der Kritik haben sich die Senatsverwaltungen aber bisher nicht bewegt. Die Bauverwaltung verweist darauf, dass das Stadion eben kein Neubau sei. Immerhin sei die Situation für Behinderte im neuen Stadion besser als früher. Dass Rollstuhlfahrer im Mittelgang standen, sei eine Art Gewohnheitsrecht gewesen. Alles, was laut Bauordnung notwendig sei, habe man getan. sch

© Olympiastadion Berlin
